Soziodrama in der Organisationsberatung | Christoph Buckel

Warum ich Gruppen bitte, aufzustehen

In den meisten Workshops sitzen Menschen an Tischen und reden über ihre Organisation. Das erzeugt verlässlich einen bestimmten Typ Ergebnis: durchdacht, sprachlich geschliffen — und oft erstaunlich weit entfernt von dem, was die Beteiligten tatsächlich beschäftigt. 

 

Soziodrama arbeitet anders. 

Die Gruppe redet nicht über ihre Situation, sie stellt sie dar. Menschen nehmen Rollen ein, auch solche, die nicht im Raum sind: die andere Abteilung, der Auftraggeber, die Geschäftsführung, das Projekt selbst. Und dann zeigt sich innerhalb von Minuten etwas, worüber man vorher stundenlang hätte diskutieren können. 

 

Wie das konkret aussieht

Ein Beispiel: Zwei Bereiche sollen fusionieren, die Stimmung ist angespannt, aber alle bleiben höflich. Statt einer weiteren Diskussionsrunde bitte ich die Gruppe, die beiden Bereiche im Raum aufzustellen — mit dem Abstand, den sie zueinander haben, in der Haltung, die sie zueinander einnehmen. Dann lasse ich einzelne Teilnehmende die Perspektive wechseln und aus der jeweils anderen Position sprechen. Was dabei zur Sprache kommt, ist selten neu für die Beteiligten. Neu ist, dass es ausgesprochen wird und dass alle es gleichzeitig hören. Ab da lässt sich anders weiterarbeiten. 

 

Wann es passt - und wann nicht

Soziodrama eignet sich, wenn Dynamiken zwischen Gruppen im Spiel sind, wenn Perspektivwechsel nötig ist oder wenn eine Gruppe in ihren Erklärungsmustern feststeckt. Es eignet sich nicht für alles. Wenn es um Sachfragen geht, um Wissensvermittlung oder um eine Entscheidung, die ohnehin schon getroffen ist, arbeite ich mit anderen Mitteln. Ich setze die Methode ein, wenn sie der Fragestellung dient — nicht, weil sie mein Steckenpferd ist.


Herkunft

Das Verfahren geht auf Jacob Levy Moreno zurück, den Begründer von Psychodrama und Soziometrie. Während das Psychodrama am individuellen Anliegen arbeitet, richtet sich das Soziodrama auf soziale Systeme: auf Rollen, Gruppen, Organisationen und ihre Beziehungen zueinander.

 

Abgrenzung

Meine Arbeit ist Beratung, kein therapeutisches Verfahren. Sie richtet sich an Organisationen und ihre Mitglieder in ihrer beruflichen Rolle und ersetzt keine Psychotherapie. Wo im Verlauf einer Beratung persönliche Themen sichtbar werden, die dorthin gehören, spreche ich das an und verweise weiter.

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